NTERVIEW THRENODY 
ROCK HARD (GERMANY)

Threnody Höhere Metall Orgie

Es sei den Jungs von THRENODY gedankt, daß sie sich bereits auf der 
zweiten Scheibe ‘Bewildering Thoughts’ selbst entstaubt haben. Kein 
Überschall-Gitarren-gewichse und Höllen-Gegrunze tönt aus den 
Lautsprechern, sondern feine Stückchen, die vor musikalischem Esprit 
strotzen. Rock Hard fragte nach den Gründen der Abspeck­-Orgie. So 
schlimm wie der Vorspann klingt, war das Debüt “As The Heavens Fall” 
zwar nicht, aber die Musik der zweiten Scheibe hat sich doch ziemlich 
geändert, obwohl natürlich der Grundtenor weiterhin ein metallischer ist. 
Sänger und Gitarrist René Scholten hort sich am Telefon wie ein Mensch 
an, der mit den Füßen auf dem Boden steht und alles daransetzt, seine 
musikalische Träume zu verwirklichen.

>> Ich arbeite seit drei Jahren in einem Buchladen. Manchmal ziehen 
mich meine Kollegen wegen meiner Band auf: ‘Was willst du denn mit 
der Musik, damit hast du ja gar keine Chancen.’  Jahre vorher habe ich 
versucht, lngenieurswesen zu studieren. Das hat mich relativ schnell 
gelangweilt. lrgendwann habe ich mich noch bemüht, ein Studium der 
Umwelttechnologie durchzuziehen, was ich wegen der Mathematik aber 
auch nicht sehr lange gehalten habe. Letztendlich landete ich bei den 
Musikwissenschaften. Allerdings scheiterte ich dort an einem Professor, 
der meinte, daß moderne Rockmusik nicht in dieses Fach gehöre. 
Mit ihm habe ich mir ziemlich heftige verbale Schlammschlachten 
geliefert. <<

Etwas kleinlaut fügt René an daB er sich nicht getraut hat, diesem 
Elfenbeinturm-Menschen die THRENODY-Stücke vorzuspielen. Beim 
ersten Stuck ‘Dare Restrain’, einem erstklassigen, thrashigen 
Clubgroover, hatte der Mann wahrscheinlich die Ohren angelegt. 
>>Das erste Stück ist wirklich sehr eingangig. Unser Debut war so 
kompliziert arrangiert, daß es für viele Leute nicht leicht 
nachzuvollziehen war. Manchmal hatten selbst wir Schwierigkeiten, 
das Material so hinzukriegen, wie wir es uns in unseren Kopfen 
zurechtgezimmert hatten. Uns war klar; daß wir das auf  “Bewildering 
Thoughts” ändern mußten. Vielleicht sollte ich diesem Dozenten unsere 
neue Platte mal vorspielen, weil er zumindest an den Drumparts nichts 
herummeckern kann.<<

Da kommt der Sangesmann genau auf den herausstechenden Musiker 
der Platte, den Neuling Richard van Leeuwen, der mit seinem 
ideenreichen, aufregenden Schlagen auch einen Jazzer vom Hocker 
hauen könnte. >>Richard kann einen supermusikalischen Groove 
trommeln. Bei der ersten Audition hat er unserem älteren Material eine 
ganz andere, viel interessantere Note gegeben. Früher stand er 
übrigens n Diensten von Flyer; einer melodischen Glamrockband aus 
Den Haag. irgendwie suchte er neue Herausforderungen.<<

Die er per Kleinanzeige im Aardschok bei THRENODY ohne Zweifel fand. 
Fast müßte ich schreiben, daß er den Jungs zeigt, wo die Stocke 
hangen. Auf den Stücken blitzt immer wieder seine Qualität durch. 
Hoffentlich konnen sie dieses Tier uberhaupt halten. Den musikalischen 
Tritt in den Hintern haben sich aber auch die anderen Mitglieder zu 
Herzen genommen. Die Gesangslinie kommt immer auf den Rhythmus, 
was dem Ganzen einen groovenden Charakter gibt, und außerdem 
verstehst du den Inhalt der Texte. Oft holte ich mich zurück, schreie die 
musikalische Linie nicht wie früher mit Worten zu. Die wenigen, die René 
aufgeschrieben hat, spiegeln eher eine traurige Stimmung.

>>Die meisten Momente im Leben, an die du dich erinnerst, sind doch 
die düsteren Geschichten. Im Grunde würde ich uns aber als 
ausgesprochen fröohliche Burschen sehen. Der Song 'Farewell' - dreht 
sich beispielsweise nicht am einen schweren Abschied von einem 
Menschen, sondern um die Katze meiner Eltern, die einfach abgehauen 
ist. Sie waren damals ziemlich sauer.<<

Darf ich dann die Zeilen von 'Willful' (“Werde ich je so sein, wie ihr mich 
haben wolltet”) als Rebellion gegen die alten Herrschaften verstehen? 
>>Nein. Meine Eltern haben mich ziemlich in Ruhe gelassen. << René 
regen ganz andere Geschichten auf, die in den flachen Landen 
passieren. >>Wir wohnen in der Nähe von Rotterdam, und dort leben 
viele Menschen aus unterschiedlichen Kulturen. Ich selbst bin 
gebürtiger Englander; und bei mit macht niemand einen Unterschiled 
zu den Holländern. Wurde ich aus Afrika oder Asien kommen, ware ich 
für diese Typen ein Ausländer; der anderen Leuten den Arbeitsplatz 
wegnimmt. So eine Idiotic... Auf unserer Platte haben wir deshalb ganz 
bewußt ein Statement gegen Rassimus abgedruckt. Wenn ich mir dos 
Abschlachten von Menschen im ehemaligen Jugoslavien ansehe, wird 
mir ohnehin schlecht. Ich dachte, daß die Menschheit aus dem 
Völkermorder vergangener Tage gelernt hat.<<

Hanno Kress